Sade/Surreal. Der Marquis de Sade und die erotische Fantasie des Surrealismus …

30.11.2001 – 03.03.2002
Kuratiert von Tobia Bezzola.
Ausstellungsort Sammlung Moserbau 2. Stock.
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ManRay01
Man Ray, Kiki de Montparnasse
1929, 1929
Japanpapier, 4 eingeklebte Silbergelatineabzüge, bedruckter Buchumschlag, handgefertigte Box, Heft Nr. 7 von 215 Exemplaren
© 2020 Man Ray Trust, Paris / ProLitteris, Zurich
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Giacometti Alberto GS 297 R 6401
Alberto Giacometti
Objet désagréable, 1931
Gips
12.5 x 48.5 x 10.5 cm
Kunsthaus Zürich, Alberto Giacometti-Stiftung, Geschenk Bruno und Odette Giacometti, 2006
© Succession Alberto Giacometti / 2021, ProLitteris, Zurich
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Z 1980 34 Ernst Streflicht
Max Ernst
Ohne Titel, um 1920
Collage auf Postkarte
Kunsthaus Zürich, Grafische Sammlung, 1980
Die erste Ausstellung ihrer Art, welche die Brücke zwischen dem berüchtigten Schriftsteller und der Kunst schlug. Angesichts des expliziten pornografischen Charakters von Marquis de Sades Œuvre ein Tabubruch, der vor dem Hintergrund der Sprengkraft seiner Schriften und deren Einfluss auf eine der wichtigsten Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts fällig war.
Kompletter Titel
Sade/Surreal. Der Marquis de Sade und die erotische Fantasie des Surrealismus in Text und Bild
Es war eine Weltpremiere: Obwohl oft (und nicht selten falsch) zitiert, waren die originalen Briefe des Marquis de Sade aus seiner 27-jährigen Haft erstmals im Original öffentlich ausgestellt – in einer 27 Meter langen Vitrine. Da die Zusage des Leihgebers, der Bibliothèque de l’Arsenal (Paris) erst sehr kurz vor der Ausstellungseröffnung eintraf, konnten diese Exponate nicht vollständig und nur als Referenzen im Katalog reproduziert werden (S. 27, 31, 35). Einmal abgesehen von ihrem Kultcharakter geben die Autografen sehr viel Aufschluss über die kreative Produktionsdynamik de Sades – ein Glücksfall für verschiedene Forschungsbereiche. Im suggestiv in rotem Samt gebundenen Ausstellungskatalog gab Tobia Bezzola, der hausinterne Kurator des Teams, unmissverständlich zu Protokoll, was Marquis de Sade bis heute so besonders und gleichzeitig so schwierig fassbar mache: «Sade der Literat, Sade der Dilettant, Sade der Revolutionär, Sade der Reaktionär, Sade der Psychopath, Sade der Psychologe, Sade der Aufklärer, Sade der Faschist, Sade der Philosoph, Sade der Schwachkopf, Sade der Langweiler, Sade die Sensation… Wenige historische Gestalten ziehen sich bis heute derart konträre Deutungen der Nachwelt zu.»
Bei näherer Untersuchung des Medienechos wird deutlich, dass die Journalist*innen die Rechercheleistung, die dramaturgische Präzision, und überhaupt den Mut zu einer solchen Ausstellung durchaus erkannten und meistens auch schätzten. So schrieb Lilith Frey im Boulevardmedium Blick (30.11.2001), von dem man dies vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte, anerkennend: «Auffallend ist diese schöne, zierliche Handschrift. [...] Die helle Beleuchtung und die meist kleinformatigen Bilder erleichtern dem Zuschauer Distanz. So zurückhaltend präsentiert, verlieren sie etwas ihre Aggressivität und abstossende Obszönität. Die Fantasie des Zuschauers wird nicht vergewaltigt. Im Gegenteil, er kann sie selbständig entfalten. Das ist das Geheimnis der klug inszenierten Ausstellung.» Eines der spektakulärsten und von der Presse darum häufig reproduzierten Exponate war Louis Soubriers «Chaise sexuelle», die 1890 in drei Exemplaren (darunter für Édouard VII.) produziert worden war, den de Sade allerdings nicht gekannt haben konnte.
«Wenn man ihn heute als eigentlichen Pornosophen, als sprachverspielten schwarzhumorigen und fantastischen Schrift- und Denkfallen-Steller lesen kann, so waren es die Surrealisten, die uns Augen und Sinne für diesen neuen Sade und seine verwirrende Vielfalt geöffnet haben.»
Stefan Zweifel und Michael Pfister

93 Tage

34 Künstler:innen

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Ausstellungskatalog
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